Barrio del Carmen Valencia: Altstadt, Street Art und Tapas
Kurz gesagt: Das Barrio del Carmen ist die Altstadt von Ciutat Vella: Zu Fuß lassen sich Kirchen und Museen (San Nicolás, IVAM, CCCC, Museu de Prehistòria/Etnologia, Casa-Museo Benlliure) mit der dichtesten Street Art Valencias verbinden, vor allem zwischen der Calle Caballeros und der Plaza del Tossal. Abends wird das Viertel zur lebhaftesten Tapas-Gegend des Zentrums, besonders von Donnerstag bis Samstag.
Das Carmen erkundet man nicht auf geradem Weg. Man biegt in irgendeine Gasse ein und kommt aus einer anderen wieder heraus, den Kopf im Nacken, weil überall abblätternde Fassaden, mehrstöckige Wandbilder und schmiedeeiserne Balkone hängen, die seit dem 15. Jahrhundert dort sind. Es ist die Altstadt Valencias innerhalb der Altstadt: der älteste Teil von Ciutat Vella, im Norden gelegen, direkt an den Torres de Serranos und am grünen Flussbett des alten Turia. Tagsüber versammelt es einen guten Teil der besten Kunst der Stadt, von der Gotik bis zur Gegenwart; abends wird es zum lebhaftesten Viertel für Tapas und Drinks im Zentrum. Kaum eine andere Gegend Valencias bringt so viel auf so wenig Raum unter.
Ein Viertel, das nach einem Kloster heißt
Das Carmen verdankt seinen Namen dem einstigen Convento del Carmen, dessen gotischer und dessen Renaissance-Kreuzgang heute als Centre del Carme Cultura Contemporània (CCCC) weiterleben. Dieses eine Detail fasst das Viertel gut zusammen: Altes verschwindet hier fast nie, es wird weiterverwendet. Der Grundriss aus engen Gassen ohne nennenswerte Gerade stammt aus dem islamischen und mittelalterlichen Valencia, dazwischen tauchen hinter einer Ecke plötzlich kleine Plätze auf. Große Alleen oder Hochhäuser gibt es nicht: Man geht langsam, weil das Gassennetz selbst dazu zwingt.
Traditionell reicht das Viertel von der Plaza de la Virgen und der Kathedrale im Süden bis zu den Torres de Serranos und dem Park im alten Flussbett im Norden, die Calle Guillem de Castro bildet die westliche Grenze. Innerhalb dieser Grenzen stehen Barockkirchen neben Klöstern, die zu Museen wurden, dazu Künstlerwerkstätten, alteingesessene Läden und immer mehr Tattoo-Studios, Galerien und Tapas-Lokale, die bis tief in die Nacht geöffnet haben.
Altstadt: Kirchen, Paläste und eine Katzenkuriosität
Pflichtstopp in der Altstadt ist die Kirche San Nicolás de Bari und San Pedro Mártir, bekannt als die „Sixtinische Kapelle Valencias“: eine von außen bescheidene gotische Pfarrkirche, deren Gewölbe im Inneren vollständig mit barocken Fresken aus dem 17. Jahrhundert bedeckt sind. Der Kontrast beim Eintreten – unauffällige Fassade, eine Decke, die vor Farbe überquillt – hat ihr diesen Beinamen eingebracht. Geöffnet ist von Dienstag bis Sonntag, mit einem Tag, an dem keine touristischen Besuche möglich sind (er bleibt dem Gottesdienst vorbehalten); prüf die aktuellen Öffnungszeiten also vorab, ebenso den Eintrittspreis, in dem ein Audioguide enthalten ist.
Nur wenige Gehminuten entfernt, mitten in der Calle del Museo, wartet eine Kuriosität, die alle überrascht, die nicht danach suchen: die Casa de los Gatos, eine Miniaturfassade mit Dach, Balkonen und sogar einem winzigen Brunnen, 2003 von einem einheimischen Künstler gebaut, um einer Straßenkatzenkolonie Unterschlupf zu geben, die durch ein Loch in seine Werkstatt kam. Sie misst kaum ein paar Zentimeter in der Höhe und ist trotzdem längst ein klassisches Fotomotiv des Viertels.
Den Rest der Altstadt läuft man ohne festen Plan ab: die Calle Caballeros – eine ehemalige Römerstraße, die die Stadt von Ost nach West durchquerte –, die Plaza del Tossal, die Plaza de San Jaime und die Gegend um die Bolsería sind gute Achsen, um sich treiben zu lassen, mit Herrenhäusern, gotischen Portalen und dem einen oder anderen Palast, über dessen Tür noch ein Wappen zu sehen ist.
Von der Gotik zur Gegenwartskunst, ohne das Viertel zu verlassen
Kaum ein Viertel in Spanien versammelt so viele unterschiedliche Museen auf so kleinem Raum. Ganz im Westen, schon an der Guillem de Castro, liegt das IVAM (Institut Valencià d'Art Modern), das große Museum für moderne und zeitgenössische Kunst der Stadt, mit dem Julio-González-Bestand als Dauerausstellung und Sonderausstellungen, die mehrmals im Jahr wechseln; sonntags ist der Eintritt meist frei, dazu kommen kostenlose Zeitfenster am Freitag- und Samstagnachmittag – ein Blick auf den aktuellen Gratis-Kalender lohnt sich vor der Planung trotzdem.
Ganz in der Nähe, in dem ehemaligen Kloster, das dem Viertel seinen Namen gab, verbindet das CCCC die Architektur des originalen gotischen Kreuzgangs mit Installationen zeitgenössischer Kunst, bei ganzjährig freiem Eintritt. Es ist einer der wenigen Orte in Valencia, an denen man vom mittelalterlichen Innenhof in eine Videoinstallation im Nebenraum wechselt, ohne das Gebäude zu verlassen.
Wer tiefer in die Geschichte will, findet im Gebäude La Beneficencia gleich zwei Museen unter einem Dach: das Museu de Prehistòria und das Museu Valencià d'Etnologia, das eine mit valencianischer Archäologie, das andere mit Volkskultur; an Wochenenden und Feiertagen ist der Eintritt in der Regel frei, unter der Woche kostet er symbolisch wenig. Persönlicher wird es in der Casa-Museo Benlliure, dem einstigen Wohnhaus und Atelier der Maler- und Bildhauerfamilie Benlliure: Ateliers, Garten und Originalwerke sind so erhalten, wie die Familie sie zurückließ, der Eintritt kostet kaum zwei Euro.
Zwei weitere Museen, klein und sehr valencianisch, vervollständigen die Karte: das Museo del Corpus - Casa de las Rocas, in dem die historischen Prozessionswagen („rocas“) der Fronleichnamsprozession in einem Gebäude aus dem 15. Jahrhundert stehen, und der Luftschutzbunker in der Calle Serranos, ein unterirdischer Schutzraum aus dem Bürgerkrieg, der die Zivilbevölkerung zwischen 1936 und 1939 vor den Bombenangriffen schützen sollte und dessen originale Aufschrift „Refugio“ in Art-déco-Lettern noch über dem Eingang steht. Der Besuch ist kostenlos, aber die Kapazität ist begrenzt und je nach Jahreszeit ist eine telefonische Voranmeldung nötig – spontan geht das also nicht.
Street Art: die andere Galerie des Carmen
Erzählen die Museen den einen Teil der Kunstgeschichte des Viertels, erzählen die Fassaden den anderen. Das Carmen hat mit Abstand die meiste Street Art in Valencia: großformatige Wandbilder stehen neben winzigen Eingriffen, bemalten Rollläden und Aufklebern lokaler Künstler, alles ohne erkennbares System durcheinander und in ständiger Erneuerung, weil ein Teil dieser Kunst per Definition vergänglich ist.
Zu den Namen, die am häufigsten auftauchen, gehört Escif, wegen seines politischen und poetischen Stils manchmal „der Banksy Valencias“ genannt; außerdem Blu, der italienische Muralist hinter einigen der monumentalsten Arbeiten im Viertel, Julieta XLF mit ihren traumhaften Figuren zwischen Natur und Feminismus und Deih, erkennbar an seinen Pop-Figuren im Comic-Strich. Keiner von ihnen arbeitet ausschließlich im Carmen, aber nirgends sonst hängen so viele ihrer Werke beieinander.
Die meistgenannte Route beginnt an der Calle Caballeros und führt hinunter zur Plaza del Tossal; von dort geht es weiter durch die Calles Alta, Corona, Baja, Raga und Pintor Fillol rund um die Plaza de San Jaime. Ein zweiter lohnender Abschnitt führt zur Plaza de la Merced und in die Calle Calabazas und von da in die Calles Numancia, Ercilla, Estameñería Vieja und Calatrava, wo mehrere Geschäfte ihre Rollläden den Künstlern überlassen haben – nach Ladenschluss wird daraus eine improvisierte Galerie. Dafür braucht es keine geführte Tour, auch wenn es sie gibt, zwei Stunden lang, falls du Erklärungen möchtest: langsam gehen und nach oben schauen reicht.
Das Carmen bei Nacht: Tapas zwischen Gassen
Mit dem Sonnenuntergang ändert das Viertel sein Tempo. Die alteingesessenen Läden lassen am späten Nachmittag die Rollläden herunter, wie überall in Spanien, und ab dieser Stunde füllen Terrassen und Tapas-Bars die Plätze und Ecken bis tief in die Nacht, vor allem von Donnerstag bis Samstag. So endet ein Tag zwischen Museen und Wandbildern am besten: auf einer kleinen Terrasse sitzen und das Gespräch laufen lassen.
Zu den Adressen, die im Viertel am häufigsten weiterempfohlen werden, zählen La Tasca Ángel, bekannt für seine Sardinen von der Plancha; Portolito, gegenüber dem Mercado Central in einem Gebäude aus dem 17. Jahrhundert mit gotischen Bögen und einem freiliegenden mittelalterlichen Brunnen; Bodega la Rentaora mit einer langen Theke voller Wurst, Käse und Montaditos; Taberna El Templat neben dem Mercado de Mossén Sorell, mit einer Tafel, deren Gerichte oft wechseln; und Café Infanta, berühmt für seinen hausgemachten Wermut. Für ein Bier und eine Tapa braucht keines davon eine Reservierung, am Wochenendabend kann es allerdings passieren, dass man mit dem Wermut in der Hand im Stehen wartet – auch das gehört dazu.
So holst du das Meiste aus dem Besuch
Das Carmen lässt sich komplett zu Fuß erkunden: Innerhalb des Viertels braucht es kein Verkehrsmittel, nur die Anreise – zu Fuß von der Plaza del Ayuntamiento oder der Kathedrale, beide nur wenige Minuten zu Fuß entfernt, oder mit Bus und Metro bis zu einer der Haltestellen rund um Ciutat Vella. So füllt sich ein ganzer Tag: den Vormittag den Museen widmen, die meist früh öffnen und deren gotische Werke und Fresken bei Tageslicht besser wirken; die Mittagszeit dem Streifzug nach Wandbildern, weil der hohe Sonnenstand dem Fotografieren hilft; und den späten Nachmittag und Abend den Tapas, wenn sich das Viertel wirklich mit Menschen und Stimmung füllt. Wer mit dem Auto kommt, sollte wissen, dass das gesamte Carmen zu Ciutat Vella gehört: enge Gassen, orangefarbene und grüne Parkzonen, kaum eine freie Lücke. Am praktischsten ist es, das Auto in einer Tiefgarage abzustellen und den Rest zu Fuß zu gehen, wie es der Guide Parken in Valencia erklärt.
Beachte außerdem, dass mehrere Museen montags geschlossen sind und dass einige der kleineren Orte – der Luftschutzbunker, die Casa-Museo Benlliure – verkürzte oder saisonale Öffnungszeiten haben; vor einem eng getakteten Rundgang lohnt sich der Blick auf die Zeiten des konkreten Tages. Alles andere – durch die Gassen laufen, Wandbilder suchen, die Casa de los Gatos anschauen – kennt keine Öffnungszeiten und funktioniert zu jeder Tageszeit.
Häufige Fragen
Wie viel Zeit braucht man für das Barrio del Carmen?
Ein halber Tag reicht, um durch die Gassen zu laufen und die meistfotografierten Ecken zu sehen. Wer zwei Museen, die Street-Art-Route und eine Tapas-Pause verbinden will, sollte einen ganzen Tag einplanen. Weil das Viertel kompakt und autofrei begehbar ist, lässt sich der Tag in Ruhe aufteilen, ganz ohne Verkehrsmittel vor Ort.
Welche Museen im Carmen sind kostenlos?
Das CCCC ist ganzjährig kostenlos, und das IVAM, das Museu de Prehistòria, das Museu d'Etnologia sowie das Museo del Corpus - Casa de las Rocas haben an bestimmten Tagen oder in bestimmten Zeitfenstern freien Eintritt (Wochenenden, Feiertage oder festgelegte Nachmittage). Da sich diese Regelungen recht häufig ändern, prüf den Gratis-Kalender des jeweiligen Hauses vor dem Besuch.
Wo findet man die beste Street Art im Carmen?
Die Achse zwischen der Calle Caballeros und der Plaza del Tossal versammelt einige der bekanntesten Wandbilder, weiter geht es durch die Calles Alta, Corona, Baja und Raga rund um die Plaza de San Jaime sowie über Calabazas, Numancia, Ercilla und Estameñería Vieja in den Norden des Viertels. Ausgeschildert ist die Route nicht – üblicherweise entdeckt man neue Arbeiten einfach beim ziellosen Gehen.
Eignet sich das Carmen zum Abendessen oder für einen Drink am Abend?
Ja, es ist eine der lebhaftesten Tapas- und Kneipengegenden im Zentrum Valencias, besonders von Donnerstag bis Samstagabend, wenn sich die Terrassen auf den Plätzen füllen. Außerhalb dieser Zeiten geht es ruhiger zu – ideal für ein entspanntes Abendessen, bevor die Straße in Fahrt kommt.
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